„Welches ist das stärkste Tier? Die Schnecke – sie trägt ihr eigenes Haus.“ Ein beliebter Kinderwitz, der, auch wenn er auf die Weinbergschnecke passt, doch nicht der Wahrheit entspricht. Das Schneckenhaus, ein rechtsgängig spiralig gewundenes braunes Gehäuse aus Kalk, ist namens gebend für die Gattung. Helix heißt auf Latein Schraube oder Spirale. Aber es gibt seltene Ausnahmen: Sogenannte „Schneckenkönige“, bei denen bei ca. einem unter 20.000 Exemplaren das Gehäuse linksgängig ist. Geschützt im Gehäuse, das auf dem Fuß sitzt, befindet sich der Eingeweidesack, der die inneren Organe beinhaltet. Schnecken haben keine Knochen, gehören somit zu den Weichtieren. Weinbergschnecken werden ungefähr zehn Zentimeter groß, wiegen etwa 30 Gramm und können in freier Natur bis zu acht, in Gefangenschaft sogar bis zu 20 Jahren alt werden.
Bekannt sind die Tiere aber nicht durch Kinderwitze, sondern weil sie in Knoblauch gegart als Vorspeise auf den Teller kommen. Die kulinarische Sonderstellung der Tiere hat sie jedoch an den Rand der Ausrottung gebracht. Heute stammen die Schnecken für die Küche aus der Zucht und in Baden-Württemberg sorgte bis 2005 sogar eine Weinbergschnecken-verordnung für die Erhaltung der unter Naturschutz stehenden Tiere. Erlaubt war es für mindestens 10jährige Sammler zwischen dem 1. April und dem 15. Juni in dreijährigem Turnus Weinbergschnecken zu sammeln. Der Gehäusedurchmesser musste mindestens 3,2 Zentimeter betragen. Mittlerweile herrscht ein generelles Sammelverbot.
„Eindeckeln“ nennt man das Verschließen des Gehäuses mit einem Kalkdeckel. Immer wenn es zu kalt oder zu trocken wird, verfallen Weinbergschnecken im versiegelten Gehäuse in eine Starre. Erst wenn sich die äußeren Bedingungen über einen längeren Zeitraum wieder normalisiert haben, es also warm und feucht genug ist, öffnet die Schnecke den Deckel und „schlüpfen“. Der Deckel stellt eine wichtige Ressource dar. Bei Kalkmangel wird er verspeist und so recyclet. Die Verhaltensweise der Starre machen sich die Nahrungsmittelkonzerne zu Nutze. Weinbergschnecken in Italien und Griechenland werden in trockenen Eierteigwaren gesetzt. Die trockene Umgebung animiert die Tiere sich zu verdeckeln. Sie sind auf diese Weise über Monate hinweg lagerfähig.
Im Reich der Schnecken ist Amors Pfeil keine Legende. Schnecken sind Zwitter. Selbst befruchten können sie sich nicht. Um den Partner für sich zu gewinnen schießen sie Liebespfeile ab. Die elf Millimeter langen Pfeile sind mit einem stimulierenden Sekret versehen und soll den Paarungserfolg begünstigen. Zum Liebesspiel steigen die Schnecken mit den Fußsohlen aneinander hoch und wiegen sich dabei hin und her. Nach der Eiablage in den Boden schlüpfen aus einem Gelege nach ungefähr zwei Wochen 40-60 Jungschnecken, nur 0,1 Gramm schwer und mit weichem Gehäuse.
Weinbergschnecken lieben vor allem grün – und davon viel. Aber auch welke Pflanzenteile stehen auf dem Speiseplan. Sie sind Pflanzenfresser und können große Mengen vertilgen. Mit der Radula – einer mit Zähnchen besetzten Raspelzunge – wird die Nahrung in kleine mundgerechte Stücke zerkleinert. Man findet die Schnecken also z.B. an Wegrändern, in Gebüschen oder in der Nähe von Waldrändern, wo dichter Pflanzenbewuchs für Schutz und Nahrung sorgt. Ihr grüner Kot wird seitlich an der Öffnung des Schneckenhauses entsorgt. Selten tauchen die Tiere in größeren Mengen auf, können dann aber mit ihrem Appetit den Gärtner verärgern, der sie dann gerne als Schädlinge ansieht und dementsprechend behandelt. Doch es muss nicht immer Gift sein, das nicht nur die Schnecken tötet, sondern auch in die Nahrungskette gelangt. U.a. können Schneckenzäune auf einfache Weise die geschützten Tiere vom begehrten Anbau abhalten. Der Lebensraum muss auf jeden Fall kalkhaltig sein, da die Tiere sich sonst nicht eindeckeln können und die Gehäuse zu dünnwandig werden.
Weinbergschnecken haben einen Rundumblick. Jeweils an den Enden der beiden großen Fühler sitzen die Augen. Sinneszellen an den kleinen Fühlerpaar registrieren Geruchsspuren am Boden. Bei Gefahr oder Anstoßen an ein Hindernis können sie schnell eingezogen werden.