Herzog-Johann-Gymnasium Simmern : : Herzog Johann *

Herzog Johann II.

Ein Humanist auf dem Thron


A uf Johann I. folgte 1509 sein Sohn Johann II. (geb. 20.03.1492, gest. 18.05.1557). Als 17jähriger übernahm er die Verwaltung des Herzogtums. Ein Jahr zuvor hatte er sich mit Beatrix, der Tochter des Markgrafen Christoph von Baden, vermählt. Er ist unumstritten für die Stadt Simmern der bedeutendste Fürst seines Hauses und wird von allen älteren Geschichtsschreibern als ein tugendhafter Mensch und als ein Freund der Wissenschaft und der Gelehrten gepriesen. Am Hofe seines Verwandten, des Kurfürsten Philipp von der Pfalz in Heidelberg, erwarb er sich eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Bildung. Hier mag er auch mit der neuaufkommenden geistigen Richtung des Humanismus in Berührung gekommen sein. Geschichte betrieb er als sein Lieblingsstudium. Mit bewunderungswürdigem Fleiß bearbeitete er eine große Zahl von historischen Urkunden und stellte zur Genealogie seines bayrisch-pfälzischen Hauses einen umfangreichen handgeschriebenen Band zusammen, der heute im Wittelsbachischen Hausarchiv in München aufbewahrt wird. In einem Seitenflügel des Schlosses Simmern hatte der Herzog eine Druckerei errichten lassen, aus der er eine Anzahl berühmter Druckerzeugnisse hervorgegangen sind, u.a. das "Büchlein von der Kunst des Messens", die "Geschichte des spanischen Riesen Fierabras", das Rixnersche Turnierbuch und Huttens "Weltlich Klösterlein".

D em künstlerischen Interesse Johanns verdankt die Grabmalkunst in der Stephanskirche zu Simmern ihre Förderung. Der "Meister von Simmern" und Johann von Trarbach wirkten an seiner damals berühmten Kunstschule, deren Werke bis weit nach Süddeutschland hin verbreitet sind. Der Fürst selbst hat sich künstlerisch betätigt und für das Kloster Marienberg bei Boppard eine Skulpturengruppe, die den Tod der Maria und die 12 Apostel darstellt, in Holz geschnitzt. Johann II. gilt auch als der Gründer der Simmerner Lateinschule, der Vorläuferin des heutigen Gymnasiums.

A uch an der großen Geschichte des Reiches nahm Johann tätigen Anteil. Das hohe Vertrauen, das er bei Kaiser Karl V. genoß, hatte ihm das Amt eines kaiserlichen Kammerrichters eingebracht.1523 trat er als Statthalter des Kaisers an die Spitze des Reichsregiments, dem bei Abwesenheit des Kaisers die Reichsverwaltung unterstand. 1555, kurz vor seinem Tode, hob er für die Bürger seiner Stadt Simmern die Leibeigenschaft auf, gab ihnen Freizügigkeit und eine neue Rechtsordnung.