Einige Cineasten werden sich vielleicht noch an die Szene erinnern, in der der Schauspieler Ed Harris vom unergründlichen Grund des Ozeans, die Lungen mit flüssigem Sauerstoff gefüllt, um ebendort einen auf Irrwege geratenen Nuklearsprengkopf zu entschärfen, an seine Geliebte - im Bewusstsein des baldigen Todes - die Nachricht schreibt: "I Knew that this was a one way ticket" und dann kurz vor seinem Ableben von engelsgleichen Meeresbewohnern gerettet wird, die sich aus Angst vor der Aggression der Menschheit nicht zeigen wollten. Die kitschige, aber durchaus wohlmeinende Szene entstammt dem James Cameron Epos "The Abyss" und greift eine Vorstellung auf, die wohl in den meisten Menschen tief verankert ist: die Angst vor dem einzigen noch wirklich unerforschten Gebiet der Erde: den Ozeanen.
Dabei hat Cameron sehr wohl ein reales Vorbild:
Vor exakt 50 Jahren, am 23. Januar 1960, erleben Donald Walsh, Oberleutnant der US Navy und Jacques Piccard, Sohn des schweizer Physikers und Erfinders Auguste Piccard, an Bord ihres Bathyskaph (gr.: Tiefenschiff) mit Namen Trieste wohl etwas Ähnliches wie Ed Harris in o.g. Film. Auguste Piccard hatte 20 Jahre lang an dem Mini-Uboot gebaut: an einem 18 Meter langen Ballasttank hing die kleine Tauchkapsel, zusammengeschweißt aus 12 cm dickem Edelstahl in den Essener Krupp-Werken.
In den frühen Morgenstunden hält die USS Wandank, das Mutterschiff der Tauchkapsel, Position vor der Insel Guam, etwa 2000 Kilometer östlich der Philippinen. Die Trieste wird ins Wasser gelassen und verschwindet im Dunkel des Meeres...
Um 11.44 Uhr reist der Funkkontakt zum Mutterschiff ab und das bange Warten beginnt.
Um 13.06 Uhr kommt das Stahlseil, an dem die Trieste hängt, endlich zum Stehen. Die beiden mutigen Männer haben es tatsächlich geschafft, die Scheinwerfer der Trieste beleuchten den Meeresboden und verjagen einen Plattfisch: bei einer Wassertiefe von 10.916 Metern haben sie den Boden des Marianengrabens erreicht. 1 Tonne Wasserdruck pro Quadratzentimeter lastet nun auf der Trieste - doch das Boot hält stand.
Drei und eine halbe Stunden später werden die beiden Weltrekordhalter wieder an der Wasseroberfläche unversehrt begrüßt und gefeiert - bis heute hat niemand mehr ein solches Abenteuer versucht.
Gesehen haben die beiden wohl keine wunderschönen Unterwasserstädte, wie in Camerons Blockbuster, aber zumindest wurden auch Gene Roddenberry und die Macher von Star Trek durch den Namen Piccard als mutigem Entdecker inspiriert; und wer weiß, was sich dort in 10 km Tiefe noch so alles verbirgt ...