Das neue Herzog-Johann-Gymnasium - sein Werden und seine Zielsetzung

Grundsteinlegung
Simmerner Stuhlgang

W enn man nach langem und zähem Ringen mit den zuständigen Behörden endlich den Neubau eines Gymnasiums von solchen Dimensionen durchgesetzt hat, dann ist man geradezu verpflichtet alle modernen Erkenntnisse der Pädagogik in das Baukonzept einfließen zu lassen. So war es, als Dr. Karl Götzke den ersten Neubau unserer Schule 1914 bis 1916 auf dem Fillkasten baute, und so hat man argumentiert, als man den 1929/30 notwendig gewordenen Um- und Erweiterungsbau erwirkte. Auch 1959-1961 wollte man mit einem Um- und teilweisen Neubau nach den damaligern Erkenntnissen der Erziehungswissenschaften die optimalsten Lern- und Bildungsbedingungen für die Hunsrückkinder schaffen.

 

U nd doch waren bereits 1968 alle noch so gut gemeinten Pläne und Zielsetzungen hinfällig geworden, weil die unvorhersehbar rasch gestiegenen Schülerzahlen die Auslagerung der gesamten Oberstufe in den um ein Stockwerk erhöhten Neubau der Handelsschule auf dem Gelände der nahen Berufsbildenden Schule erzwangen. Die Zerreißprobe für die Schulgemeinschaft war damit aber noch nicht erreicht. Als sich die Schülerzahl der magischen Zahl 1000 näherte, was zu Beginn des Schuljahres 1972/1973 der Fall war, musste die schöne Aula „geschändet“ und im Laufe des Jahres 1973 in vier dringend benötigte Klassenräume umgebaut werden. Damit konnte verhindert werden, dass durch Pavillonbauten auf dem Schulhof langlebige Provisorien geschaffen wurden, die einen Neubau möglicherweise hätten torpedieren können.

 

Ü berlegungen zu einem Neubau gab es erstmals im Herbst 1968. Konkretisiert wurden diese erst, als OSTD Manfred Dietz und der Verfasser im August 1970 in die Leitung des HJG berufen wurden. Das entscheidende Datum für den Neubau war der 20. Juni 1972. Unter Vorsitz des damaligen Landrats Albert Reinhard wurde zum ersten Male gemeinsam mit den Vertretern des Mainzer Kultusministerium, der Koblenzer Bezirksregierung, des Rhein-Hunsrück-Kreises und der Schule der Neubau des HJG in seinen Grundzügen konzipiert und die Notwendigkeit für einen absehbaren Baubeginn zugestanden. Das dafür erforderliche Raumprogramm, ganz zugeschnitten auf die örtlichen pädagogischen Bedürfnisse und schulischen Belange, wurde vom Verfasser und dem damaligen STD Ernst Otto Simon erstellt und von der Bezirksregierung am 23.11.1973 genehmigt.

 

F olgende Überlegungen lagen dem zugrunde: Das HJG ist nicht nur eine Landschule mit einem überdurchschnittlichen Einzugsbereich - damals besuchten 1220 Schüler aus 115 Ortschaften die Schule- sondern es hat auch einen erfreulich hohen Anteil von Kindern aus sozial aufstrebenden Familien. Die daraus für einen Pädagogen zu ziehenden Schlussfolgerungen für den geplanten Neubau waren:

  1. Große und zweckmäßige Aufenthaltsbereiche für die Fahrschüler.

  2. Aufenthalts- und Verpflegungsmöglichkeiten für die Oberstufe, da sie auch nachmittags Unterricht hat.

  3. Angebote an sinnvollen Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten in den Frei- und Wartezeiten für alle Schüler.

  4. Präsentation aller modernen, technischen, audiovisuellen, auditiven und naturwissenschaftlichen Geräte und Unterrichtsmittel für einen methodisch-didaktisch effektiven Unterricht.

  5. Im Hinblick auf die weitere pädagogische Entwicklung sollte die Schule in Technik und Raumangebot mobil sein.

  6. Je eigene Zonen für Lehrer und Schüler, aber auch räumliche Möglichkeiten zum gemeinsamen Gespräch und zur Zusammenarbeit.

  7. Verstärkte Förderung der musischen Bereiche.

  8. Die neue Schule sollte trotz aller Modernität Humanität, menschliche Ausstrahlung, und Tradition zulassen und wahren.

A m 6. Februar 1975 erhielt der Neubau seine Gestalt, in der er sich noch heute präsentiert, Nach dem Erwerb der Parzelle 50, die damals noch in der Kümdcher Gemarkung lag, durch die Stadt Simmern war eine großzügigere Planung vor allem des allgemeinen Unterrichtsbereichs durch den mit dem Bau beauftragten Architekten Wolfgang Schumacher aus Koblenz., möglich. Nach dem Architektenwettbewerb war er als zweiter Preisträger zum Zuge gekommen. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 19. November 1976. Eine Kupferschatulle mit Grundsteinlegungsurkunde, einer Tageszeitung und kleinen Geldbeträgen in DM ist am Südeingang hinter der Jahreszahl 1976 eingemauert.

 

D er Bauabschnitt I, der den allgemeinen Unterrichtsbereich und die Verwaltung umfasste, konnte am 19. Oktober 1978 mit dem sog. „Simmerner Stuhlgang“, bei dem jeder Schüler seinen Stuhl in die neue Schule trug, in Besitz genommen werden. Die Bevölkerung hatte dann Gelegenheit, am 26. November 1978, die neue Schule zu besichtigen. Der zweite Bauabschnitt, das sind die Räume für die drei Naturwissenschaften, die Schulküche, das Fotolabor und die Werkräume, wurde Ende 1979 abgeschlossen, sodass die feierliche Übergabe des Gesamtbaues am 30. Januar 1980 durch Frau Staatsministerin Dr. Hannah Renate Laurien an die Schulgemeinschaft erfolgen konnte. Der vierte Bauabschnitt, die dreiteilbare Turnhalle, wurde zu Beginn des Schuljahres 1984/85 fertig gestellt und am 7. September 1984 von Kultus- Staatssekretär Professor Dr. Mohr der Schulgemeinschaft des HJG in festlichem Rahmen übergeben.

 

Dr. Wolfgang Heinemann, OSTD a. D.