Friedrich I. - Vater der Simmerner Lateinschule

Die Lateinschule der Herzöge von Simmern gehört nachweislich zu den ältesten Schulen dieser Art im Land Rheinland-Pfalz. Bedingt durch die territorialen und wirtschaftlichen Entwicklungen stand diese Schule mehr als einmal am Rande ihrer Existenz während des 17. bis 19. Jahrhunderts. Erst als die Schule im Jahre 1926 ihre staatliche Anerkennung als sog. „Vollanstalt“ gefunden hatte und die ersten sechs Abiturienten entlassen werden konnten, fand sie auch das ihr gebührende öffentliche Interesse und die Heimatforschung machte sich auf die Suche nach den Ursprüngen. Ernst Siegel war der Erste, der mit seiner „Geschichte des Gymnasiums zu Simmern“, Simmern 1961, diesen Weg beschritt. Eberhard Meier-Staude meinte in der Festschrift „450 Jahre Gymnasium zu Simmern“ anlässlich der Einweihung des Erweiterungsbaues 1964 in einer Urkunde von 1514 Opens internal link in current windowHerzog Johann II. (1509 – 1557) als Gründer der Simmerner Lateinschule gefunden zu haben und setzte die Bezeichnung „Herzog-Johann-Gymnasium“ für die Schule nach diesem vermeintlichen Gründervater durch. Der wissenschaftlich sehr aktive Willi Wagner erkannte dann in seinem Aufsatz „Eine Urkunde zum ältesten Schulwesen der Stadt Simmern“, HHBL Nr. 22, 1970, S. 429-433, dass in Simmern schon im 15. Jh. Schule gehalten worden sein musste. Der entscheidende Passus lautet: „Der selbe soll ein Schulmeister sin vnd ein schule halten nach sinem besten vermögen“.

Der Verfasser selbst hat schon in der „Festschrift des Herzog-Johann-Gymnasiums aus Anlass des Einzugs in den Neubau“ im Oktober 1978 unter der Überschrift „500 Jahre Schule in Simmern“, S. 22-28, angenommen, dass unsere Schule ihre Wurzeln in der Regentschaft Friedrichs I. (1459-1580) hat und er hat diese Annahme in den diversen Publikationen zu diesem Thema des Öfteren wiederholt: so in folgenden Titeln: „Einhundert Jahre Schulentwicklung auf dem Hunsrück“, HHBL Nr. 116, 2001, S. 325ff; „Die katholische Schule Kirchberg und ihre Lehrer“, Simmern2003; „Der Weg zum Bildungszentrum des Hunsrücks“, Simmern 2009.

Astrid Bach kommt in ihrem vierseitigen Exposé von 1991 im Jahresbericht des Herzog-Johann-Gymnasiums, S. 203-206, das Verdienst zu, schlüssig dargelegt zu haben, dass Herzog Johann II. nicht der Gründer sein kann.

Der Verfasser hat nun nach über zweijährigen Recherchen ausführen können, das Herzog Friedrich I. tatsächlich der Vater der Simmerner Lateinschule gewesen ist. Dabei wurden als Belege für eine funktionierende Schule erstmals alle namhaft zu machende Studenten aus dem Bereich des Hunsrücks in der Zeit von 1386 – 1600 zusammengefasst und tabellarisch gelistet. Es konnten 295 Hunsrücker Studenten an den Universitäten nachgewiesen werden, wobei interessante Zusammenhänge erkennbar wurden. Der Verfasser wäre froh, wenn diese Vorarbeiten zu einer Korrektur des noch immer tradierten Bildes vom „hinterwäldlerischen“ Hunsrück beitragen und zu weiteren Forschungen anregen könnten.

Dr. Wolfgang Heinemann

 

Simmern, im Mai 2015